Meins – Deins – Alle

Unterrichtsmaterial

Alles für eine erfolgreiche Lerneinheit

Vor der SitzungVorbereitungWährend des SpielsDurchführungNach dem SpielNachbereitung
Alles auf einer Seite

Die drei Phasen

  • Vorbereitung — Vor der Sitzung
  • Durchführung — Während des Spiels
  • Nachbereitung — Nach dem Spiel

Vorbereitung

Thematische Einführung

Was ist Biokapazität?

Die Erde hat produktive und unproduktive Flächen. Für Güter und Dienstleistungen brauchen wir Rohstoffe und Energie aus der Natur.

Land- und Wasserflächen liefern Energie, Nahrung, Kleidung, Technik und Baustoffe. Sie sind unsere gemeinsame Lebensgrundlage.

Die Biokapazität beschreibt, wie viele Ressourcen diese Flächen bereitstellen können.

26 % der Erdoberfläche sind biologisch produktiv
21 % produktives Land5 % produktive Ozeane
74 % unproduktiv (Wüsten, Eis, tiefe Ozeane)

Flächen im Spiel

Im Spiel repräsentieren die verschiedenen Feldtypen unterschiedlich produktive Flächen:

Ackerland – für Lebensmittel
Wald – für Holz, Papier und CO₂-Aufnahme
Gebirge – begrenzte Ressourcen (Weideland, Bergbau)
Meere – für Nahrung und CO₂-Aufnahme
Wüste – knappe, fragile Ressourcen

Land und Wald nehmen außerdem CO₂ auf. Vor allem Bäume binden CO₂ und geben Sauerstoff ab.

Wofür brauchen wir Ressourcen?

Für diese Bereiche brauchen wir besonders viele Ressourcen und produktive Flächen:

Wohnen – Bauland, Baustoffe, EnergieErnährung – Anbau, Tierhaltung, FischereiVerkehr – Treibstoff, InfrastrukturKonsumgüter – Rohstoffe, Produktion

Lernziele

Nach der Lerneinheit können die Teilnehmer:innen:

1Die „Tragik der Allmende“ verstehen und erleben
2Auswirkungen individueller Entscheidungen auf Gemeinschaftsressourcen erkennen
3Strategien für nachhaltige Ressourcennutzung entwickeln und bewerten
4Kooperation und Wettbewerb vergleichen und diskutieren
5Verbindungen zur realen Ressourcennutzung herstellen

Technische Vorbereitung

Was wird benötigt?

  • Empfohlen: Jede:r Teilnehmer:in braucht ein Smartphone, Tablet oder Laptop
  • Empfohlen: Stabiles WLAN für alle Geräte (alternativ: mobile Daten)
  • Empfohlen: Optional: Beamer oder großer Bildschirm für die Ansicht der Spielleitung
  • Empfohlen: Moderner Browser (Chrome, Firefox, Safari, Edge)

Vorbereitungsschritte

  1. Öffne die Spielseite auf deinem Gerät
  2. Wähle „Spiel erstellen“ und notiere den Spielcode
  3. Teste die Verbindung mit einem Testgerät
  4. Bereite den Spielcode vor (QR-Code anzeigen oder Code vorlesen)

Tipps zur Vermeidung technischer Probleme

  • Hinweis: Teste das WLAN vorher mit mehreren Geräten gleichzeitig
  • Hinweis: Halte den QR-Code groß genug für alle sichtbar
  • Hinweis: Bei Verbindungsproblemen: dieselbe Registerkarte neu laden
  • Hinweis: Die ursprüngliche Registerkarte auf dem Gerät geöffnet lassen

Zeitplanung

Gesamtdauer: ca. 20–45 Minuten

Empfohlene Aufteilung

Einführung & Erklärung10 Min.
Spielphase (inkl. 2. Durchgang)15–20 Min.
Auswertung & Diskussion15–20 Min.
Puffer für technische Fragen5 Min.

Zeitvarianten

  • • Kurzversion (30 Min.): Nur 1 Durchgang, kurze Diskussion
  • • Langversion (90 Min.): Ausführliche Einführung, beide Durchgänge, tiefe Reflexion

Durchführung

Spielstart

Schritt für Schritt

  1. 1Als Spielleitung „Spiel erstellen“ wählen
  2. 2Spielcode teilen (QR-Code zeigen oder vorlesen)
  3. 3Warten, bis alle beigetreten sind (Liste der Spieler:innen prüfen)
  4. 4Spieleinstellungen bei Bedarf anpassen
  5. 5Kurz fragen, ob alle bereit sind
  6. 6„Runde 1 starten“ wählen

Einstellungen anpassen

  • • Rundenzahl: 5–9 Runden empfohlen
  • • Regenerationsintervall: alle 2–3 Runden

Achtung: Einstellungen werden nach Start von Runde 1 gesperrt!

Spielmechanik erklären

Vor dem Start den Spieler:innen erklären:

Beispiel-Erklärung zum Vorlesen

„Ihr leitet verschiedene Länder.“

„Alle teilen dieselben Ressourcenfelder – was ihr sammelt, fehlt den anderen.“

„Ihr habt 3 Aktionen pro Runde, um Ressourcen zu sammeln.“

„In manchen Runden erholen sich die Felder – aber nur, solange noch Ressourcen da sind.“

„Euer Ziel: Sammelt Ressourcen für euer Land.“

„Eine wichtige Frage: Wie viel nehmt ihr, wenn andere auch nehmen können?“

Hinweis: Tipp: Nicht zu viel verraten! Der Lerneffekt entsteht durch Erfahrung.

Was du nicht sagen solltest

  • Nicht empfohlen: Nicht erklären, dass das Spiel das Allmende-Dilemma demonstriert
  • Nicht empfohlen: Nicht warnen, dass „Übernutzung“ möglich ist
  • Nicht empfohlen: Keine Strategie-Tipps geben

Beobachtungspunkte

Während des Spiels beobachten und für die Diskussion notieren:

Worauf achten?

Wer sammelt aggressiv, wer hält sich zurück?
Gibt es Absprachen zwischen Spieler:innen?
Wie reagieren sie auf die Regeneration?
Was passiert, wenn Felder erschöpft werden?
Ändern sich Strategien nach der ersten Erschöpfung?
Gibt es emotionale Reaktionen (Frustration, Triumph)?

Notizen für später

  • • Namen von Spieler:innen, die auffallen
  • • Runden, in denen kritische Momente passieren
  • • Konkrete Verhaltensweisen und Zitate

Eingriffsmöglichkeiten

Als Spielleitung kannst du:

Spiel kurz pausieren

Zwischen Runden für kurze Reflexion oder Fragen

Einstellungen nutzen

Rundenzahl und Regenerationsintervall prägen den Spielverlauf

Technische Hilfe

Bei Problemen: dieselbe Registerkarte neu laden

Spiel beenden

Wenn der Planet früh erschöpft ist – auch das liefert Gesprächsstoff

Was du vermeiden solltest

  • Nicht empfohlen: Während des Spiels kommentieren („Oh, das geht schief …“)
  • Nicht empfohlen: Spieler:innen direkt zu Verhaltensänderungen auffordern
  • Nicht empfohlen: Das Ergebnis vorhersagen

Zweiter Durchgang

Warum ein zweiter Durchgang?

  • Empfohlen: Ermöglicht direkten Vergleich: Haben sich Strategien geändert?
  • Empfohlen: Zeigt, ob sich das Verhalten verändert hat
  • Empfohlen: Liefert Gesprächsstoff für die Diskussion

So startest du Durchgang 2

  1. Nach Ende von Durchgang 1 „Durchgang 2 starten“ wählen
  2. Alle Spieler:innen und Einstellungen bleiben erhalten
  3. Felder werden auf Anfangszustand zurückgesetzt

Zwischen den Durchgängen

Kurze Frage an die Gruppe (1–2 Min.):

„Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?“

„Was habt ihr beobachtet?“

Achtung: Noch keine tiefe Diskussion – nur Denkanstöße!

Nachbereitung

Ergebnisse interpretieren

Die Ergebnisanzeige liefert wichtige Daten für die Diskussion:

Ökosystemgesundheit

Zeigt, wie nachhaltig die Gruppe insgesamt gehandelt hat

SS: Ernte und Regeneration sind im Gleichgewicht
AA: Vorbildlich nachhaltig – Ressourcen geschont
BB: Gut, mit Verbesserungspotenzial
CC: Grenzwertig – Planet unter Druck
DD: Problematisch – viele Felder erschöpft
FF: Katastrophal – Planet vollständig erschöpft

Ungleichheitsindex (Gini-Koeffizient)

Zeigt, wie gleichmäßig die Ressourcen verteilt wurden

Niedrig (0–0,3): Relativ gleiche Verteilung
Mittel (0,3–0,5): Spürbare Ungleichheit
Hoch (über 0,5): Starke Ungleichheit – wenige haben viel

Vergleichswerte: Deutschland ca. 0,31, Welt ca. 0,65

Vergleich der Durchgänge

Wenn beide Durchgänge gespielt wurden:

Hat sich die Ökosystemgesundheit verbessert? Die Ungleichheit? Die Strategien?

Diskussionsleitfaden

Strukturierte Diskussion in vier Phasen:

1. Beobachten (5 Min.)

Was ist passiert?

  • •"Was ist im Spiel passiert?"
  • •"Wie haben sich die Ressourcen über die Runden entwickelt?"
  • •"Wer hat wie viel gesammelt? Wer hatte am Ende am meisten oder am wenigsten?"

2. Empfinden (5 Min.)

Wie habt ihr euch gefühlt?

  • •"Wie habt ihr euch während des Spiels gefühlt?"
  • •"Gab es Frustration? Wann und warum?"
  • •"Was war überraschend oder unerwartet?"

3. Analysieren (5–10 Min.)

Warum ist das passiert?

  • •"Warum haben einige mehr gesammelt als andere?"
  • •"Was hat dazu geführt, dass Felder erschöpft wurden?"
  • •"Hätte es anders laufen können? Wie?"
  • •"Warum ist Kooperation so schwierig?"

4. Übertragen (5–10 Min.)

Was bedeutet das für die echte Welt?

  • •"Wo in der echten Welt passiert das Gleiche?"
  • •"Wer sind die „Spieler:innen“ in der Realität?"
  • •"Welche „Spielregeln“ könnten das Problem lösen?"
  • •"Was hat das Spiel mit Klimawandel zu tun?"

Reflexionsfragen

Tiefere Fragen für fortgeschrittene Gruppen oder als Hausaufgabe:

?Was ist die „Tragik der Allmende“? Kannst du sie mit eigenen Worten erklären?
?Warum ist individuelle Rationalität manchmal kollektiv irrational?
?Welche Lösungen gibt es für das Problem der Gemeinschaftsressourcen?
?Wie können Regeln, Gesetze oder internationale Abkommen helfen?
?Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ nach dieser Erfahrung für dich?
?Wie würdest du entscheiden, wenn du wüsstest, dass niemand deine Entscheidung kennt?

Transfer zur Realität

Konkrete Beispiele, die den Bezug zur echten Welt zeigen:

Überfischung

Fischbestände werden schneller gefangen, als sie sich erholen können. Das Mittelmeer hat 90 % seiner großen Fische verloren.

Im Spiel: Alle Spieler:innen teilen die Fischgründe (blaue Felder).

Abholzung

Regenwälder verschwinden für kurzfristigen Gewinn (Palmöl, Viehweiden, Soja). Jährlich verlieren wir eine Waldfläche so groß wie Portugal.

Im Spiel: Die grünen Waldfelder können erschöpft werden.

Klimawandel

Die Atmosphäre ist eine gemeinsame Ressource. CO₂-Emissionen belasten alle, aber der Nutzen geht an wenige.

Im Spiel: Wenn alle maximal sammeln, leidet der ganze Planet.

Grundwasser

Wasserreserven werden in vielen Regionen schneller genutzt, als sie sich füllen. Kalifornien, Indien und der Nahe Osten kämpfen mit Wassermangel.

Im Spiel: Erschöpfte Felder regenerieren nicht mehr.

Bewertungsmöglichkeiten

Optionale Methoden zur Vertiefung und Bewertung:

Reflexionsbogen

Drei Fragen schriftlich beantworten lassen (5–10 Min.)

  • 1. Was war die wichtigste Erkenntnis für dich?
  • 2. Was würdest du im echten Leben jetzt anders machen?
  • 3. Welche „Spielregeln“ brauchen wir für echte Ressourcen?

Gruppenpräsentation

Teams erarbeiten Lösungsvorschläge für ein reales Beispiel

Wähle ein Beispiel (Fischerei, Wald, Klima, Wasser) und entwickle drei konkrete Maßnahmen.

Transferaufgabe

Ein reales Beispiel der „Tragik der Allmende“ recherchieren und vorstellen

Finde ein Beispiel, das im Unterricht nicht genannt wurde, und erkläre: Was ist die gemeinsame Ressource? Wer nutzt sie? Was sind die Folgen?